Im Jahr 2024 standen für BeoNet-Halle zwei Themen besonders im Fokus: die Einordnung des Projekts in die deutsche Forschungslandschaft und die Frage, welche Patientengruppen durch Broad Consent tatsächlich erreicht werden.
Am 20. Februar 2024 erschien in BMJ Open die Arbeit „German primary care data collection projects: a scoping review“. Die Übersichtsarbeit wertete 241 Studien aus sechs deutschen Projekten aus, die Routinedaten direkt aus Praxisverwaltungssystemen nutzen. Sie zeigt, dass in Deutschland weiterhin technische Hürden, fehlende Standardisierung, strenge Datenschutzanforderungen und eine unzureichende öffentliche Finanzierung den langfristigen Aufbau solcher Infrastrukturen erschweren. Für BeoNet-Halle war diese Publikation wichtig, weil sie die eigenen Erfahrungen in einen größeren nationalen Kontext stellt.
Im September 2024 folgte mit „Bias in obtaining broad consent in a German general practice? – Preliminary results from a cross-sectional study“ eine erste empirische Analyse zum Broad Consent in der hausärztlichen Versorgung. Die Studie zeigte, dass es Unterschiede zwischen Patientinnen und Patienten mit Broad Consent und einer Vergleichsgruppe gibt. Als mögliche Einflussfaktoren wurden unter anderem Familienstand, Migrationshintergrund, Einkommen und Alter diskutiert. Damit wurde deutlich, dass Einwilligungsprozesse nicht nur organisatorisch, sondern auch unter dem Blickwinkel möglicher Selektionsverzerrungen weiter untersucht werden müssen.
Zusammen genommen markiert 2024 damit einen wichtigen Schritt vom reinen Infrastrukturausbau hin zur systematischen methodischen Reflexion: Wie können Routinedaten aus Praxen nachhaltig genutzt werden, und wie repräsentativ sind die pseudonymisiert verfügbaren Datensätze tatsächlich?