Akute Magen-Darm-Infektionen (AGE) gehören in den ersten beiden Lebensjahren zu den häufigen Erkrankungen. Doch welche Erreger stecken tatsächlich hinter den Beschwerden – und wie relevant ist ihr Nachweis, wenn manche Keime auch bei gesunden Kindern vorkommen?
Eine aktuelle Untersuchung im Rahmen der LöwenKIDS-Geburtskohorte hat genau das näher beleuchtet: 89 Kinder unter zwei Jahren wurden prospektiv begleitet. Bei den Studienteilnehmenden handelte es sich um eine ansonsten gesunde Bevölkerungsgruppe, in der überwiegend leichte Verläufe akuter Gastroenteritiden beobachtet wurden. Während beschwerdefreier Phasen wurden regelmäßig Stuhlproben gesammelt, bei Krankheitssymptomen – definiert als mehr als drei weiche Stühle oder Erbrechen innerhalb von 24 Stunden – erfolgten zusätzliche Proben. Für jedes Kind wurden symptomatische und zuvor entnommene asymptomatische Probenpaare auf 25 verschiedene Erreger mittels Multiplex-RT-PCR untersucht.
Das Ergebnis: Enterische Viren wurden in 64 % der symptomatischen Proben nachgewiesen und waren deutlich mit gastrointestinalen Beschwerden assoziiert. Besonders häufig traten Noroviren (Genogruppen GI und GII) sowie Adenoviren auf. Bakterien hingegen fanden sich fast gleich häufig in symptomatischen wie in beschwerdefreien Proben und zeigten keine klare Verbindung zu den Symptomen. Am häufigsten wurden enteropathogene Escherichia coli und Clostridium difficile nachgewiesen. Auch der Parasit Dientamoeba fragilis wurde vereinzelt gefunden, jedoch ohne signifikanten Zusammenhang mit Erkrankungszeichen.
Interessant zudem: Die Erregermenge korrelierte bei bestimmten Viren – darunter Norovirus GII, Astrovirus und Sapovirus – mit dem Auftreten von Symptomen. Für andere Erreger zeigte sich dieser Zusammenhang nicht.
Die Ergebnisse unterstreichen damit die klinische Bedeutung viraler Erreger bei akuter Gastroenteritis im frühen Kindesalter – und relativieren zugleich die Aussagekraft bakterieller oder parasitärer Nachweise ohne passende Symptomatik. Ein weiterer Beleg dafür, wie wichtig der Vergleich zwischen Krankheits- und Beschwerdefrei-Phasen für ein besseres Verständnis kindlicher Infektionen ist.